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Widerstand gegen Bahnpläne
formiert sich in der IG BOHR
3. April 2004
Acht Bürgerinitiativen in Südbaden haben ihren
Zusammenschluss zur Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hoch-Rhein
(IG BOHR) am vergangenen Samstag mit der Unterzeichnung einer Resolution
besiegelt. Ziel der IG BOHR ist es zu verhindern, dass die Deutsche Bundesbahn
den Bau des dritten und vierten Gleises zwischen Offenburg und Basel mit
einer Billiglösung zulasten der Bevölkerung in der Region durchsetzt.
Stattdessen fordert die IG eine nachhaltige und ökologisch sinnvolle
Trassenplanung, die die Lärmbelastung deutlich verringert, den Landverbrauch
auf Kosten der Landwirtschaft minimiert und die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten
der Gemeinden in der Region nicht bremst.
Folgende Bürgerinitiativen gehören der IG BOHR
an: Arbeitskreis Bahn der Offenburger Bürgervereine, Bürgerprotest
Bahn Herbolzheim/Kenzingen, Mensch- und Umwelt schonende DB-Trasse Nördliches
Markgräflerland, IG Katzenbergtunnel Bad Bellingen, BI gegen den
Hochrhein-Bypass Grenzach-Wyhlen, BI gegen den Hochrhein-Bypass Rheinfelden,
die BI gegen den Hochrhein-Bypass Schwörstadt sowie die BI Bypass
Bad Säckingen-Wallbach. Die IG BOHR will mit einem umfangreichen
Forderungskatalog gegen die bisherigen Bahnpläne kämpfen. Er
enthält folgende Punkte:
- eine unterirdische Trasse in Offenburg oder die Westumfahrung
- kein Gleisausbau durch Herbolzheim/Kenzingen
- eine unterirdische Trasse im Nördlichen Markgräflerland
- die Verschiebung des Katzenbergtunnels nach Osten bei Tieferlegung
der Trasse
- Ablehnung eines Hochrhein-Bypass
- einen gerechten Ausgleich für die aufgebürdeten Lasten durch
den viergleisigen Ausbau der Rheintalbahn
- die Abschaffung der „Lex-Bahn“ zur Gleichbehandlung der
DB AG mit anderen Lärmerzeugern
- die Novellierung der Lärmschutzgesetzgebung in Deutschland in
Anlehnung an den Richtwert der WHO
- die volle Verantwortung des Staates für das Schienennetz.
Ihre Forderungen begründet die IG BOHR in der Resolution
damit, dass nach den Planungen der Deutschen Bahn AG zwischen Offenburg
und Weil am Rhein mit der neuen Schienentrasse die mit am stärksten
belastete Gütertran-sitstrecke Europas entsteht. Zwar sei die Verlagerung
des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zu begrüßen,
es ist aber damit zu rechnen, dass die Anrainerbevölkerung an den
Zulieferstrecken mit Schienenverkehrslärm extrem stark belastet wird.
Im Bundesverkehrswegeplan 2003 ist von täglich 508 Zügen die
Rede, mit einem Anteil von 280 Güterzügen. Davon werden nach
den Planungen der DB AG 125 am Tage und 155 nachts verkehren. Letzteres
bedeutet einen Güterzugverkehr im Dreiminutentakt.
Zur Entlastung französischer Schienenstrecken vom
Güterverkehr ist ferner vorgesehen, bei Chalampé auf der Strecke
Mülhausen-Müllheim und bei Kehl auf der Strecke Straßburg-Offenburg
weitere 210 Güterzüge auf die Rheintalbahn zu leiten (Oberrhein-Bypass).
Diese rund 500 Güterzüge bedeuten einen Dreiminutentakt rund
um die Uhr.
Nach Ansicht der IG BOHR lassen die bisher vorgelegten
Pläne der Bahn befürchten, dass auf die Belange der südbadischen
Bevölkerung und ihre sensible Umwelt wenig Rücksicht genommen
wird. Aufgrund der einseitig die DB AG bevorzugende Rechtslage wird der
entstehende Lärm aufgrund unzureichender Lärmschutzmaßnahmen
(16. BImSchV statt DIN 18005 oder TA Lärm) die Bürger der Ortschaften
entlang der Trasse besonders in der Nacht nervtötend beschallen.
Dies wird zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität
führen, verbunden mit gesundheitlichen Folgeschäden.
Hinzu kommt eine Beschneidung der Entwicklungsperspek-tiven
der Anliegergemeinden, eine Schwächung ihrer Wirtschaftskraft mit
erheblichen Einbußen an Einkommen und Steuern sowie ein immenser
Verlust von Immobilienwer-ten in Bereichen, die bisher dem Güterzuglärm
nicht ausgesetzt waren. Stellenweise kommt es zu erheblichen Verlusten
an wertvollen landwirtschaftlichen Flächen und damit zu einer Abnahme
der Wirtschaftlichkeit bäuerlicher Betriebe bis hin zur Existenzgefährdung.
Des weiteren wird es zu einer starken Belastung der Bevölkerung durch
krankmachende Feinstäube, Erschütterungen, Elektrosmog sowie
die 4-5 jährige Bauphase direkt neben Wohnsiedlungen kommen. Befürchtet
wird eine größere Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung
durch eine Vervielfachung der jetzigen Gefahrguttransporte.
Ein besonderes Ärgernis ist, dass der Gesetzgeber
dem Wirtschaftsunternehmen DB AG Sonderrechte beim Lärmschutz einräumt.
Die IG BOHR fordert eine Gleichbehandlung der Bahn mit anderen Lärmverursachern
auf der Grundlage der Richtwerte der Weltgesund-heitsorganisation für
Verkehrslärm. Diese liegen bei einem Außenpegel von tags 55
dB(A) und nachts 45 dB(A) für alle Gebiete, in denen Menschen wohnen.
Ärgerlich ist auch, dass sich die DB AG zudem noch einen „Schienenbonus“
von 5 dB(A) unter der Maßgabe gutschreiben darf, dass Schienenverkehrslärm
weniger belästigend als anderer Verkehrslärm sei. Das ist zumindest
für Güterzüge nicht mehr gerechtfertigt. Als Sofortmaßnahme
muss der Schienenbonus für Schienenstrecken, auf denen Güterzüge
verkehren, abgeschafft werden.
Die gesamte Privilegierung der Bahn hat nach Ansicht der
IG den Geruch gesetzgeberischer Willkür zu Lasten der Bevölkerung,
einzig und allein mit dem Ziel, dem Staat Geld zu sparen. Sie gehört
dringend abgeschafft. Die Lärmschutzgesetzgebung insgesamt ist in
Deutschland dringend novellierungsbedürftig. Dies fordert die IG
BOHR im Gleichklang mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND), der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm (BVS), der Bundesvereinigung
gegen Fluglärm (BVF), dem Deutschen Arbeitsring für Lärmbekämpfung
(DAL) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD).
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Roland Diehl
Vorsitzender der MUT e.V
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